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Marktkommentar: Zwei Schritte vor – zwei zurück
Zwei Tage vor der EZB-Ratssitzung ordnet Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank, die erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank und die weiteren Schritte ein:
Wir gehen davon aus, dass die EZB die Leitzinsen am Dienstag um 0,25 Prozentpunkte anheben wird. Im September rechnen wir mit einer weiteren Zinserhöhung. Der Grund: Seit März hat sich der Inflationsausblick im Euroraum infolge des Iran-Kriegs und gestiegener Energiepreise nennenswert eingetrübt.
Die neuen EZB-Projektionen werden auf ein schwächeres Wachstum und eine höhere Inflation hindeuten als die Projektionen im März. Das liefert der EZB das zentrale Argument für die ersten Zinsschritte seit Juli 2022.
Die Revisionen ergeben sich aus dem stagflationären Impuls des Iran-Kriegs und den daraus resultierenden Verwerfungen an den Energiemärkten. EZB-Präsidentin Lagarde wird vermutlich betonen, dass die Währungshüter im Basisszenario keine Stagflation erwarten - auch dann nicht, wenn der Energiepreisschock stagflationär wirken sollte. Zudem wird sie den Eindruck vermeiden wollen, dass damit der Beginn eines neuen Leitzinserhöhungszyklus eingeläutet werde.
Für die kommenden zwölf Monate ergibt sich folgendes Muster: erst zwei Schritte vor, dann wieder zwei zurück. Denn schon für das erste Halbjahr 2027 erwarten wir eine Senkung des Einlagesatzes in zwei Schritten von 2,5 Prozent auf 2 Prozent. Hintergrund ist die dann erwartete Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran verbunden mit einer konjunkturellen Abschwächung sowie einem Rückgang der Inflation zur Zielmarke von 2 Prozent.
Das wirft die berechtigte Frage auf, ob die EZB in diesem Umfeld nicht besser gänzlich Abstand von Leitzinsschritten nehmen sollte. Tatsächlich war die Ausgangsposition der EZB vor Ausbruch des Iran-Kriegs komfortabel. Der Leitzins befand sich auf so genanntem neutralen Zinsniveau - und die Inflation lag praktisch auf der Zielmarke von 2 Prozent.
Durch den Energiepreisschock kommt es zwar zu einem Anstieg der Inflation, doch diese dürfte zeitlich begrenzt bleiben, weil sich keine nennenswerten Zweitrundeneffekte abzeichnen. Außerdem wirken höhere Leitzinsen nur begrenzt gegen höhere Energiepreise.
Die Zinspolitik steuert kurzfristig vor allem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage - das aktuelle Problem liegt jedoch in erster Linie auf der Angebotsseite. Zusätzliche Zinsschritte belasten die ohnehin geschwächte Nachfrage weiter – und bremsen die Konjunktur.