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Marktkommentar: EZB legt Zinspause vor weiterem Schritt ein

Bei der EZB-Sitzung am Donnerstag rechnet die apoBank mit unveränderten Leitzinsen. Die Pause dürfte jedoch nicht das Ende des Zinserhöhungszyklus bedeuten. Im Basisszenario erwartet Björn Ohl, Ökonom der apoBank, noch einen Schritt im Dezember:

Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins am Donnerstag unverändert lässt und ihn im Dezember um weitere 25 Basispunkte anhebt. Damit wäre der Zinserhöhungszyklus in unserem Basisszenario abgeschlossen. Auch bei der Fed und der Bank of Japan deuten nach den Leitzinserhöhungen im September derzeit alle Anzeichen auf eine Pause hin.

Für die EZB ist die Abwägung dennoch nicht einfach. Seit ihrer letzten Sitzung sind die Energiepreise an den Kassa- und Terminmärkten weiter gestiegen. Zugleich zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum bislang bemerkenswert widerstandsfähig, auch wenn die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Oktober etwas schwächer ausgefallen sind. Der erhöhte Inflationsdruck und die robuste Konjunktur sprechen grundsätzlich für eine weitere Zinserhöhung.

Gegen einen sofortigen Zinsschritt stehen jedoch die deutlich gestiegenen Renditen europäischer Staatsanleihen, insbesondere in Frankreich. Die verschlechterten Finanzierungsbedingungen wirken wie eine zusätzliche Straffung der Geldpolitik und reduzieren damit kurzfristig die Notwendigkeit einer weiteren Leitzinserhöhung.

Bleiben die Zinsen wie erwartet unverändert, kommt es umso stärker auf die Kommunikation der EZB an, sowohl im schriftlichen Monetary Policy Statement als auch auf der anschließenden Pressekonferenz. Dort dürften insbesondere die jüngsten Renditeaufschläge bei Staatsanleihen einzelner Euroländer, allen voran Frankreichs, zur Sprache kommen. Eine konkrete Festlegung für Dezember erwarten wir nicht.

Gleichwohl überwiegen aus unserer Sicht die Aufwärtsrisiken für die Inflation. Sollte ein weiterer Anstieg der Energiepreise in den kommenden Monaten zusätzlichen Inflationsdruck auslösen, wäre im nächstwahrscheinlichen Szenario auch eine zusätzliche Zinserhöhung im März nicht ausgeschlossen.

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  • Björn Ohl, Ökonom der apoBank
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