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Blog-Eintrag

Marktkommentar: „KI auf Pump“ - Wie der Rechenzentrum-Boom den Anleihemarkt verändert

Der KI-Boom entwickelt sich zunehmend von einer reinen Software- und Wachstumsstory zu einem kapitalintensiven Infrastrukturthema. Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, Chips, Energieversorgung und Netzinfrastruktur verändern zunehmend auch den Markt für Unternehmensanleihen. Für Anleger rücken damit Finanzierungsquellen, Laufzeiten und versteckte Konzentrationsrisiken stärker in den Fokus, sagt Timo Steinbusch, Leiter Portfoliomanagement der apoBank:

‚KI auf Pump‘ ist zugespitzt, aber nicht falsch: Die aktuelle Schuldenwelle fällt mit einem historischen Investitionsschub zusammen. Damit wird aus der Technologiestory zunehmend eine Kreditmarktstory. Der Aktienmarkt fragt, wie groß die Chancen der Künstlichen Intelligenz sind. Der Kreditmarkt stellt inzwischen die unbequemere Frage: Wer bezahlt die Rechnung?

Die nächste Phase des KI-Booms wird nicht auf der Produktbühne entschieden, sondern in der Kapitalflussrechnung. Entscheidend ist, wer seine Milliardeninvestitionen in nachhaltigen freien Cashflow verwandeln kann und wer dauerhaft auf neues Kapital angewiesen bleibt.

Von einer Schuldenkrise kann derzeit keine Rede sein. Bei den finanzstärksten Hyperscalern steht nicht das Ausfallrisiko im Vordergrund, sondern die Frage, wie viel zusätzliches Anleiheangebot der Markt aufnehmen kann, ohne deutlich höhere Risikoprämien zu verlangen. Ein sehr guter Schuldner ist nicht automatisch auch eine gute Anleihe. Hohe Bonität schützt Anleger nicht vor Kursverlusten, die durch lange Laufzeiten, steigende Zinsen oder ein Überangebot an Neuemissionen entstehen können.

Hinzu kommt, dass viele Anleger denselben KI-Konzernen an mehreren Stellen ausgesetzt sind: über Welt-ETFs als Aktionäre und über Unternehmensanleihefonds als Gläubiger. Diese Überlappung bleibt häufig unbemerkt. In Stressphasen kann sie auf beiden Seiten gleichzeitig wirken und wirtschaftliche Klumpenrisiken verstärken.

Die Antwort ist daher nicht, KI-bezogene Kredite oder Anleihen pauschal zu meiden, sondern selektiver vorzugehen: eher Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren als von 30 Jahren, Qualität vor Kupon und ein einheitliches Risikolimit über Aktien, Anleihen und alternative Anlagen hinweg. Wer den KI-Boom über den Kreditmarkt begleiten will, benötigt heute weniger Begeisterung für Technologie als vielmehr ein klares Konzept für Laufzeiten, Emittentenqualität und das Gesamtrisiko über alle Anlageklassen hinweg.

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